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Wer einen Fluß überquert, muss die eine Seite verlassen*

- 17/05/2017

*Mahatma Gandhi

Der heutige Post wird etwas persönlicher, als alles was ich bisher geschrieben habe. Ich habe auch eine Weile überlegt, ob ich diesen Post überhaupt schreiben soll, aber irgendwie ging mir die Idee nicht mehr aus dem Kopf. Heute möchte  ich euch etwas über meine Oma erzählen, rückblickend sicherlich mein ganz großes Vorbild wenn es ums Nähen und andere Handarbeiten geht.
Ihr habe sicher schon bemerkt, dass meine letzten Posts eher etwas sporadisch waren. Das lag unter anderem auch ein bisschen daran, dass die letzten Wochen nicht ganz einfach und emotional sehr aufwühlend waren.
Meine Oma ist am 12. März gestorben.


Meine Großeltern an ihrem Hochzeitstag (1953)

Ich hatte immer nur ein paar Großeltern und als ich in der ersten Klasse war, habe ich mich lange Zeit sehr gewundert warum es Kinder gibt, die  mehr als einen Opa und eine Oma haben 🙂  Irgendwann habe ich das dann auch verstanden.

Solange ich mich erinnern kann, haben die Hände meiner Oma nie still gestanden. Sie hat genäht, gestrickt und gestickt nur häkeln war nicht so ihr’s. In frühen Erinnerungen sitzt sie an der Stirnseite des Küchentisches an der Nähmaschine. Ich war immer völlig fasziniert von dem weißen Plastekästchen, in dem das ganze Zubehör aufbewahrt wurde. Sie hat unglaublich viel für uns genäht.

Ich weiß noch, wie wir in der Schule mal gefragt wurden, was wir werden wollen. Meine Antwort:  Artistin (mein Berufswunsch Nr. 1 – brachte von der Lehrerin nur ein misbilligendes Stirnrunzeln) oder Schneiderin, wie meine Oma (gefälliges Nicken von der Lehrerin). Was ich als Kind nicht wusste (wie auch, schließlich wurden wir ja komplett von Oma eingekleidet), meine Oma war gar keine ausgebildete Schneiderin. Wie ich erst sehr viel später erfuhr konnte sie sich den Traum von der Schneiderlehre nie erfüllen und hat stattdessen eine Ausbildung zur Buchbinderin gemacht und dann in einer Wertpapierdruckerei gearbeitet. Dafür hat Sie in Ihrer Freizeit um so mehr genäht.


Mein Schulanfang (1990); die Kleider, die ich und meine Schwester tragen sind auch von Oma selbst genäht

Wenn Sie nicht an der Nähmaschine beschäftigt war, dann hat sie auf dem Sofa gesessen und gestrickt. Jeder in unserer Familie besitzt eine der legendären gestricken Patchworkdecken. Als Kinder wurden meine Schwester und ich auch von Kopf bis Fuß in selbst genähtes und selbst gestricktes gehüllt. Die letzten Teile woran ich mich erinnern kann waren ein lilanes und ein grünes Sommerkleid mit Paisly-Druck, da war ich vielleicht 15 oder 16. Selbst unsere Kuscheltiere und Puppen hatten ganze Kollektionen von Haute couture á la Oma. Ich glaube nicht, dass sich in dem umfangreichen Kleiderschrank unserer Barbiepuppen auch nur ein gekauftes Stück befunden hat. Vom gestrickten Skianzug, über Ballkleider aus Spitzenresten bis hin zu wirklich winzigen Unterwäscheteilen und gehäkelten Bikinis war alles dabei.

Auch wenn ich erst spät (mit 27) Handarbeiten für mich entdeckt habe, denke ich dass meine Oma eine große Inspiration für mich war. Auch wenn Sie in den letzten Jahren nicht mehr genäht hat, in letzter Zeit hatte ich auch immer eine aktuelle Burda dabei („Ach, die gibt’s noch!“) und ich bin wirklich froh, dass ich mir von meiner Oma noch die Grundlagen des Strickens habe beibringen lassen, auch wenn es jetzt zu spät für die ausgefalleneren Sachen ist.

Zu Ehren meiner Oma habe ich mich dazu entschieden zur Beerdigung etwas Selbstgenähtes zu tragen.

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Mein erstes selbstgenähtes Kleid war Megan aus dem Buch Liebe auf den Ersten Stich von Tilly Walnes (Tilly & The Buttons). Ich wollte etwas klassisch, schlichtes und dieses Kleid entsprach absolut meiner Vorstellung. Genäht habe ich es aus eine schwarzen Cloque, den ich bei Karstadt gekauft habe.

Diesmal habe ich sogar den Halsbeleg einigermaßen gebändigt bekommen.
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Das einzige, was ich unbedingt noch anpassen muss, ist der Rückenausschnit, der klafft ganz schön. Allerdings weiß ich da noch nicht so richtig wie ich vorgehen soll. Für Tips und Tricks bin ich in jeder Hinsicht dankbar!

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Der Reißverschluss ist auch noch ein bisschen ein Problemfall, ich habe ihn zwar relativ problemlos eingenäht bekommen, aber irgendwie bekomme ich den oberen Abschluss nicht so richtig hin. Das wirkt immer etwas schief.

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Trotz der „Mängel“ bin ich mit meinem Kleid zufrieden. Ich mag diesen Schnitt, er ist ziemlich vielseitig, ich schätze da werde ich mir mal die Mühe machen das Kleid ordentlich anzupassen.

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Noch mehr selbstgenähte Kleidung zu bestimmt freudigeren Anlässen gibt es heute beim Me Made Mittwoch.

Megan12

Das Schönste, was ein Mensch hinterlassen kann, ist ein Lächeln im Gesicht derjenigen, die an ihn denken.

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6 responses to “Wer einen Fluß überquert, muss die eine Seite verlassen*

  1. kuestensocke sagt:

    Ein sehr schöner Post und ein wunderbares Kleid. Meine Oma hat auch viel genäht und Änderungsarbeiten für die Nachbarschaft erledigt. Ich war immer fasziniert von der Singer-Nähmaschine bei der mit den Füßen getreten wurde. Da durfte ich leider nicht ran, aber meine Puppe hatte aus Blumensärmeln und Co. stets schöne Kleider. Jetzt macht es mir großen Spaß wenn Nichte der Neffe sich an der Nähmaschine mit geraden Nähten ausprobieren…. LG Kuestensocke
    P.S. zum rückenaussschnitt: Ein Varianten wären Abnäher vom Hals. Und dann für weitere Modell im Schnittmuster auch Abnäher wegkneifen und damit gleich das Schnitteil anpassen.

    • jsama0201 sagt:

      Vielen Dank! Auch für den Tip mit den Abnähern, ich werde das bei Gelegenheit mal ausprobieren. Hab irgendwo auch noch 5 m Nesselstoff rumliegen.

  2. dickespaulinchen sagt:

    Das ist ein sehr schöner Post, danke fürs Erzählen! Und Dein Kleid ist wunderschön! Deine Oma wäre sicher sehr stolz auf Dich!!
    LG, Katharina

  3. malou sagt:

    Dieses Kleid zu nähen war genau richtig. Ich glaube, es tröstet, etwas zu tun, was man mit dem anderen geteilt hätte.
    Den Schnitt mag ich auch sehr gerne, zumal er durch die Wahl des Stoffes von fröhlich bis förmlich wirken kann. Ich habe bei meinem Megan am hinteren Ausschnitt noch zwei Abnäher gesetzt (also so, wie Küstensocke vorschlägt). Wenn der Stoff nicht zu dick ist, lässt sich das auch nachträglich noch machen.
    Herzliche Grüße,
    Malou

  4. Man könnte die hintere Mitte und den Ausschnitt mit Formband bebügeln, damit sie sich nicht ausdehnen können, wenn der Reißverschluß eingenäht wird. Schulterblattabnäher sind im Schnitt nicht vorgesehen, kann man aber trotzdem machen. Ein anderer Vorschlag: Wenn der Reißverschluß rausgenommen ist, im angezogenen Zustand ganz genau zu schauen, ob nicht von der hinteren Mitte keilförmig was weggenommen werden kann, also praktisch nur einen Abnäher in der Mitte statt zwei seitlich zu machen. Regina

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